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Eine kleine Sammlung persönlicher Tipps für Interessenten am GR 20.

Wir haben eine nette E-Mail erhalten mit der Bitte, ein paar persönliche Tipps zu geben. Haben wir natürlich gerne gemacht und hoffen, dass sie hilfreich sind. Weil wir leider ziemlich faule Menschen sind und eine Arbeit nicht gerne doppelt machen, haben wir die Mail gleich kopiert und hier für alle Interessenten wiedergegeben.
Wie auf der ganzen Webseite handelt es sich auch hier um ganz persönliche Erfahrungen, wir können deshalb keine Garantie übernehmen, dass jeder damit optimal zurecht kommt. Wir gehen aber davon aus, dass doch viele Menschen ähnliche Bedürfnisse haben und deshalb manches, was wir erlebt und erfahren haben, auch für andere hilfreich sein kann. Also…:

Hallo Ihr GR 20-Interessenten!
Nun wollen wir's also versuchen, ein paar Antworten auf Eure Fragen zu geben.

... lassen nur darauf hoffen ,dass wir auch so
schönes Wetter haben werden....

... das kann man Euch nur wünschen. Wir hatten wirklich großes Glück, in den 2 Wochen hat's nur 1 x geregnet, da aber richtig mit viel Blitz und Donner: eine Nacht auf der Carrozu-Hütte. Wir haben ein sehr kleines, leichtes Zelt dabei gehabt (1,55 kg von McKinley), da muss man sich schon sehr gut vertragen ;-) 1 Rucksack hat normalerweise in die Apsis gepasst, der 2. im "Vorzelt". Das nächste Mal würden wir wahrscheinlich doch etwas schwerer tragen und dafür ein wenig mehr Komfort & Platz haben. Also vielleicht nach einem vernünftigen Kompromiss suchen (so 2,5 kg etwa müsste optimal sein und wenn's finanziell drin ist, was qualitativ Höherwertiges: so eine Gewitternacht hat's in sich. Früh waren wir zwar nicht direkt nass aber auch nicht mehr direkt trocken ;-)
Aber sonst war's toll. Es war ja ein sehr heißer Sommer, unten hatte es locker 35°, aber oben auf den Höhen war es immer angenehm frisch. Also auf jeden Fall ziemlich warme Sachen mitnehmen, ausziehen kann man sich immer noch. Und wenn der Sommer nicht so warm ist, ist das um so wichtiger. Viele beschreiben auch, dass es im August jeden Tag gewittert hat - darauf kann man sich nur einstellen und dann glückselig sein, wenn es nicht so ist.
Ü brigens, man muss natürlich nicht unbedingt zelten, aber fast alle tun es, einige schlafen auch nur im Schlafsack unter freiem Himmel, aber das muss man mögen (evtl. Regen, Sturm - sicher aber Schweine, die zwar nicht bösartig sind aber sehr neugierig und gefräßig …). In den Hütten, die mehr oder wenier gut geführt sind, gibt es immer so 20 - 30 Lager in 1 Raum - auch das muss man mögen: wir waren jedenfalls froh um unser klenes Häuschen. Haben 2 x "wild" gezeltet (1 x illegal an der verfallenen Bergerie de Puzzatelli über Vizzavona/Mitte, 1 x legal am ebenfalls verfallenen Refuge de Pedinielli/Süden, v.a. letzteres sehr empfehlenswert!), sonst immer bei den Hütten: kostet ein paar Euro, man hat Wasser, meist Duschen und WC, kann was zum Essen (Kleinigkeiten: Kekse, Schokolade u.ä. - immerhin verhungert man sicher nicht:-) und Trinken (Limo, Bier, Wein, vor allem letzteres gehört einfach zum Abend - finden wir jedenfalls. Er ist immer tiefrot, ziemlich gut und die Preise sind zumindest erträglich) kaufen.

Da wir aber im Moment noch mitten in den Vorbereitungen stecken, wollten wir
fragen, ob sie vielleicht ein paar Tips und anregungen für uns hätten, bezüglich des
Gepäcks, …

… schwieriges, sehr schwieriges Problem! Wir haben monatelang überlegt, gekauft, gewogen, wieder verworfen, Exeltabellen angelegt usw. Im Endeffekt war das Teil dann doch viel zu schwer und es musste schweren Herzen nochmals vieles raus, was wir uns eingebildet hatten. Das ist sicher eines der zentralen Probleme (außer dem Wetter): nicht zu viel, nicht zu wenig. Man kann nur herum probieren, immer wieder überlegen, sich erkundigen (im Internet findet man viele Packlisten als Anregung - wir haben keine veröffentlicht).
Was wir uns gegönnt haben (hat aber weh getan: 2 Ultraleichtschlafsäcke von Salewa (je 550g, koppelbar, sehr angenehm, kostet aber ungefähr 250 EUR/pro!).
Im Endeffekt hatten wir Rucksäcke mit ca. 18kg und 15kg. Man kann sicher noch mal auf manches verzichten, wir hatten viele Filme und 2 komplette Spiegelreflexausrüstungen dabei, das wiegt.

der kondition, …

… die sollte schon ganz gut sein. 4 - 8 Std. täglich mit 15 - 18 kg auf dem Buckel, ein paar hundert Meter auf und ab (manchmal sind es ganz schöne An- und Abstiege!), warm, kalt, Wind, Regen und was es sonst noch so alles gibt. Auch die Schuhe sollten perfekt sein, da darf man nicht sparen. Wir haben hervorragende Erfahrungen mit unseren Lowa Trekkingstiefeln gemacht - soll aber keine Schleichwerbung sein.
Wir haben's da natürlich gut, die Berge vor der Haustür, immer wieder unterwegs, da hat man schon eine ordentliche Grundkondition. Aber dafür habt Ihr, wenn Ihr jung seid, von vorneherein mehr Grundkondition - oder? Die Monate vorher haben wir das normale Pensum dann allerdings schon nochmal gesteigert, sind joggen gegangen, haben die Länge unserer Bergtouren erhöht, sind häufig klettern gegangen (große Kletterkünste braucht man allerdinsg auf dem GR 20 nicht, wenn man ein bisschen kraxeln kann, schadet's allerdings auch nicht, z.B. ist dann der berühmt(-berüchtigte) Cirque de la Solitude nur noch Genuss:-) Andere - haben wir auch erlebt - kommen dann schon nach 200 m steilem Ab- und Wiederanstieg oben an und sagen, das war die Hölle … Oder man kann dann den sehr empfehlenswerten Abstecher auf die Paglia Orba machen (II-er Kletterei mit einigen recht luftigen Stellen). Auch sonst ist Korsika natürlich ein Kletterparadies, das sieht man zumindest vom GR 20 aus. Wir sind dann auch im Jahr darauf mit jüngsten Sohn in der Bavella geklettert. Da hätte uns das GR 20-Fieber fast schon wieder gepackt: ein paar Meter auf dem "heiligen Pfad" ;-)

dem Essen, …

… das kommt ganz darauf an! Viele Leute haben Suppen, Nudel- und sonstige Gerichte dabei, manche auch Kocher (braucht man nicht unbedingt - an den Hütten gobt's i.d.R. Gaskocher - ist aber ganz praktisch, wenn man einen kleinen hat) und haben auf "Teufel komm raus" gebrutzelt und gekocht. Wir waren da eher fauler und haben genommen, was sich uns so geboten hat: mal eine Wurst, einen Schinken, einen der herrlichen Käse usw. Gelegentlich haben wir uns ein paar Spaghetti (z.B. auf der sehr netten Pietra Piana Hütte) geleistet oder einen Brotzeitteller. Zwischendurch kommt man an Almen (Bergeries) vorbei, dort gibt es vor allem großartige Käse zu kaufen (sowas gibt's bei uns nicht mal für viel Geld!). Essen muss man (nach unserer Meinung) in der Bergerie de Tolla im Manganellu-Tal, an der Bergerie de Ballone und in Haut Asco (ein richtiges Hotel mit Tafelsilber, hervorragendem Essen und bezahlbaren Preisen - haben den Tipp von drei jungen Schweizern bekommen: das ist fast pervers: man kommt in seinen Trekkingstiefeln, ist nach einem langen Tag fix und fertig, hat tagelang nur noch Müsliriegel (genug mitnehmen, wir bevorzugen die hervorragenden vom Aldi in verschiedenen Geschmacksrichtungen!) gegessen - und dann plötzlich dieses Hotel, das muss man sich geben und auch ein paar Euro opfern - wir haben pro Menü 15 EUR gezahlt, dazu noch Wein und Kaffe, aber das war's allemal wert. Nicht dass Ihr jetzt denkt, die schwimmen im Geld - schön wär's ;-) Aber sonst waren wir ja sparsam.
Und es macht Spaß - uns jedenfalls - sich neben den - ohnehin ununterbrochen vorhandenen - landschaftlichen Höhepunkten so kleine Highlights zu schaffen. So haben wir uns für den Cirque de la Solitude einen guten korsischen Schinken (Lonzu) und etwas Schafkäse mitgenommen und eine kleine Plastikflasche mit Rotwein mitgenommen und am Anfang und Ende des Cirque "getafelt" - war unheimlich edel, alle Vorbeikommenden haben neidisch geschaut.

dem Zelten (oder lieber biwakieren ???)

...das hatten wir ja weiter oben!
Aber noch was anderes: wir sind eigentlich eher einsame Wanderer und lieben unsere Ruhe. Das war auch einer der Gründe, warum "gegen den Strom" gelaufen sind (Süd-Nord-Richtung). Aber abends an den Hütten hatten selbst wir Eigenbrödler (betrifft eigentlich eher den männlichen Teil von uns ;-) unheimlich viele nette Begegnungen in allen erdenklichen Sprachen. Am schönsten auf der Paliri-Hütte ganz im Süden (unsere Empfehlung: nicht in Bavella aufhören! Weitergehen bis Conca! Es ist schade, wenn man das versäumt, den langsamen Abstieg fast bis auf Meereshöhe -. und dann von dort per Anhalter oder sonstwie nach Pinarellu (ungefähr 10 km) und zwei-drei Tage dolce far niente!) - ja auf der Paliri, eine ganz besondere Hütte mit dem originellsten und nettesten Gardien des GR 20, dort saßen abends ungefähr 20 Personen beieinander und haben in 7 Sprachen fröhlich durcheinander geplaudert, Essen ausgetauscht, spät holte der Gardien dann noch aus seiner Hütte einen Muscadet-Wein für alle und sein Fotoalbum mit Kletterbildern - es war einer der nettesten Abende auf diesem Weg. Und tags dann oft stundenlang keine Menschenseele, an jeder Ecke ein neuer Blick, neue Berge, Täler, Schluchten, in der Ferne immer das Meer - wenn das Wetter passt, die Kondition stimmt und keiner krank wird - ein wirklicher Traum! F ür uns war es jedenfalls einer.

Wir haben uns jedenfalls mal für den August dieses Jahr fest vorgenommen diese
Mammu-tour von Bonifato bis zum Bavella zu besteigen, und es wäre super lieb, wenn
wir noch ein paar Tips von "Erfahrenen" mitgeteilt bekommen könnten.

… hiermit erstmal geschehen, und wie gesagt, wenn's noch nicht reicht …
Eine Menge Erfahrungen findet Ihr ja im "Tagebuch" unserer Seite, da kann man richtig schmökern.


So, nun erst mal viel Spaß bei den Vorbereitungen


Brigitte und Michael